Infos zur Laktoseintoleranz

Nachfolgend haben wir Ihnen eine grundsätzliche Übersicht und Informationen  zu den wichtigsten Fragen bei einer Laktoseintoleranz zusammengestellt. Diese wurden aus verschiedenen Quellen wissenschaftlicher Arbeiten für Sie in vereinfachter Version zusammengefasst. Bitte beachten Sie, dass die nachfolgenden Informationen keine Handlungsemfpehlungen sind und bei Bedarf immer ärztlicher Rat hinzugezogen werden sollte. 

Laktoseintoleranz

1.       Was ist Laktose?

Laktose ist der Fachbegriff für Milchzucker. Milchzucker ist ein Disaccharid, d.h. ein Zweifachzucker, bestehend  aus den Einfachzuckern (Monosacchariden) Glukose und Galaktose. Der Körper kann den Milchzucker nicht unmittelbar aufnehmen, er  muss ihn zuvor erst  in die beiden Einfachzucker aufspalten. Dazu benötigt er  das Enzym Laktase, das er selbst produziert. Diese Aufspaltung erfolgt im Dünndarm.                   

2.       Was versteht man unter Laktoseintoleranz?

Wenn der Körper  das Enzym Laktase nicht oder  in nicht ausreichender Menge produziert, kann der Zweifachzucker Laktose nicht in die Einfachzucker Galaktose und Glukose aufgespalten  und somit vom Körper auch nicht aufgenommen werden. Er wandert also ungespalten weiter in den Dickdarm, wo er durch Bakterien zu verschiedenen Fettsäuren, Wasserstoff und Kohlendioxid abgebaut wird. Es handelt sich dabei um einen Vergärungsprozess.

Eine detaillierte Darstellung der Körperfunktionen bei der Laktoseverarbeitung sowie bei einer Intoleranz finden SIe hier: 

Zur Darstellung 

3.       Typische Beschwerden bei  Laktoseintoleranz

Liegt eine Laktoseintoleranz vor, können im unteren Darmbereich große Mengen an Kohlendioxid gebildet werden, die als Blähungen wahrgenommen, aber auch abgelassen werden können. Es kann ebenso zu Gasbildung bereits im Bereich des Dünndarms kommen, was zu Bauchschmerzen führt.  Diese Gase können nicht über den Darmausgang entweichen, sondern müssen über die Darmwand resorbiert werden. Über das Blut gelangen sie in die Lunge und werden mit der Atemluft abgeatmet.  Dies  kann  zu schlechtem Mundgeruch  führen. Die unter Punkt 2 erwähnten Säuren ziehen aus den Blutgefäßen Wasser in den Darm, was zum einen zu einer erhöhten Darmperistaltik führt, d.h., der Darm gibt gurgelnde Geräusche von sich. Zum anderen wird der Speisebrei verflüssigt, das Volumen im Darm vergrößert und es kann dann zu blitz- und krampfartigen  Durchfällen kommen.  Weitere mögliche Auswirkungen von Laktoseintoleranz:  schmieriger Stuhl (erhöhter Fettgehalt im Stuhl – aufgrund der Umwandlung der Laktose in Fettsäuren),  schwimmender Stuhl (vermehrte Gasbildung im Darm), Sodbrennen, Müdigkeit und Migräne.

 

4.       Selbsttest bei Verdacht auf Laktoseintoleranz (nach Uni.-Doz. Dr.med. M. Ledochowski)

Wenn Sie schon mehrmals eindeutig Beschwerden nach Genuss laktosehaltiger Nahrungsmittel hatten, verzichten Sie unbedingt auf jegliche Form von Selbsttest und wenden sich an einen Arzt, um entsprechende Untersuchungen zu veranlassen. Bei bekannter Milcheiweißallergie dürfen Sie ebenfalls keine eigenständigen Selbstversuche durchführen.  Sollten Sie nur einen vagen Verdacht erhärten wollen, können Sie so vorgehen:

Sorgen Sie dafür, dass jemand in der Nähe ist, den Sie um Hilfe bitten können, wenn Ihnen übel wird, außerdem sollten Sie in den nächsten Stunden zu Hause und in der Nähe einer Toilette sein, falls heftiger Durchfall einsetzt.  Dr.  Ledochowski schlägt dann folgende Vorgehensweise vor:  Sie trinken in der Früh auf nüchternen Magen einen viertel Liter Milch, ohne sonst noch etwas zu essen oder zu trinken. Wenn Sie innerhalb der nächsten 3 Stunden Bauchschmerzen, Blähungen und bzw. oder Durchfall bekommen, können Sie  mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass bei Ihnen eine Laktoseunverträglichkeit vorliegt. Sie können nach einigen Tagen den Test mit verdoppelter Milchmenge (1/2 Liter) wiederholen. Sie nehmen jetzt damit 25g Laktose zu sich – das entspricht der Menge, die der Arzt im Laktoseintoleranztest verwendet. Sind bei den beiden Testen keinerlei Beschwerden aufgetreten, so haben sie „in der Regel keine große gesundheitliche Bedeutung“ (Ledochsowski, S. 59).  Sind jedoch Beschwerden aufgetreten, suchen Sie unbedingt einen Arzt auf. Er wird Sie nochmals testen und ggfs. weitere Untersuchungen veranlassen.

Wie untersucht der Arzt?

Er führt einen H2-Atemtest durch, wird aber auch eine molekulargenetische Untersuchung veranlassen, um zwischen primärer und sekundärer Laktoseintoleranz unterscheiden zu können. Um eine funktionelle Laktoseintoleranz (zu geringe Kontaktzeit der laktosehaltigen Nahrungsmittel mit der enzymhaltigen Darmwand) feststellen zu können, wird ein Laktulose-Atemtest durchgeführt.

5.       Das Enzym Laktase / Ersatztherapie

Laktase ist ein Enzym, das sich in den Zotten des Dünndarms befindet.  Es spaltet Laktose auf. Produziert der Körper nicht oder zu wenig Laktase, können Laktase-Enzympräparate aus der Apotheke eingesetzt werden.  Das Enzym wird kurz vor der Mahlzeit, die Laktose enthält, eingenommen, wobei den Dosierungsanweisungen Folge zu leisten ist. Zu beachten ist auch, dass die einzunehmende Menge  von der noch vorhandenen körpereigenen  Laktase abhängt.  Die käuflich zu erwerbende Laktase gibt es als Tabletten, Kautabletten, in Kapseln oder als Pulver.  Da Laktase seine Aktivität bei einer Temperatur von über 60 Grad Celsius verliert, sollte man es nicht über heiße Speisen verstreuen. Die Kosten für  das Enzympräparat belaufen sich in Deutschland derzeit auf ca. 30 – 50 Cent pro Mahlzeit. Verschiedene Autoren weisen darauf hin, dass Enzympräparate zwar eine gute Alternative sind, aber  auch Nebenwirkungen auslösen können.

6.       Ursachen von Laktoseintoleranz

Man unterscheidet zwischen primärer und sekundärer Laktoseintoleranz.

a)      Primäre Laktoseintoleranz ist angeboren. Ca. 75% der Weltbevölkerung verlieren nach dem Abstillen die Fähigkeit, Laktose in die zwei Einfachzucker aufzuspalten und somit beschwerdefrei aufzunehmen. Die Enzymaktivität (Laktase) reduziert sich in der Regel nicht schlagartig, sondern schleichend. Wenn man ständig Laktose zu sich nimmt, bewahrt man sich in unseren Breiten meist die Fähigkeit, diesen Milchzucker zu verarbeiten. In Deutschland sind ca. 13% der Bevölkerung laktoseintolerant, in Skandinavien sind es nur zwischen 3-8%, in Asien ist der Anteil bei 87%.  Es wird die Theorie vertreten, dass in Regionen, in denen sich die Bevölkerung aufgrund klimatischer Bedingungen nicht  vegetarisch ernähren kann und somit auf tierische Produkte zurückgreifen muss, der Anteil der Laktoseverträglichen  hoch ist (endemischer Faktor). Eher selten ist die primäre Laktoseintoleranz auf den entwicklungsbedingten Laktasemangel bei Frühgeborenen bzw. auf eine Erbkrankheit zurückzuführen.

b)      Sekundäre Laktoseintoleranz beruht auf einer bakteriellen Fehlbesiedlung des Dünndarms oder auf einer Schädigung der Dünndarmschleimhaut. Die Schleimhaut kann durch verschiedene Erkrankungen oder Unverträglichkeiten geschädigt sein, z.B. Zöliakie oder  Morbus Crohn. Aber auch Entzündungen durch Medikamente, Strahlenbehandlung (Tumorbehandlung) oder Infektionskrankheiten können die Dünndarmschleimhaut beschädigen. Relativ selten liegt die Ursache der sekundären Laktoseintoleranz in der zu kurzen Kontaktzeit wegen beschleunigter Passage des Speisebreis; Beispiel: verkürzter Darm nach einer OP o.Ä.  

Wichtig:  Primäre und sekundäre Laktoseintoleranz müssen unterschiedlich behandelt werden. Während bei einer primären Intoleranz  nur die Ernährung umgestellt werden muss (also laktosefrei  bzw. –arm) oder mit Enzymtherapie  Abhilfe geschaffen werden kann,  muss bei der sekundären Laktoseunverträglichkeit die Grunderkrankung erkannt und behandelt werden. 

7.       Laktosegehalt in Lebensmitteln

Milch ist ein tierisches (menschliches)Produkt. Sie enthält im Normalfall ungefähr 48 Gramm Laktose pro Liter. Milchpulver ist besonders laktosereich, es enthält 37-52g Laktose pro 100g. Milchpulver wird in Keksen, Kuchen, Cremes, Schokolade, aber auch in Wurstwaren verarbeitet. Da es die Backtriebfähigkeit verbessert, findet es sich auch zum Teil in glutenfreien Backmischungen. Weil Laktose Trägerstoff von Aromen ist, wird sie gerne auch als natürlicher Geschmacksverstärker  eingesetzt.  Laktose bindet Wasser und wird daher besonders bei der Herstellung kalorienreduzierter Nahrungsmittel verwendet, da ein größeres Gewicht bzw. Volumen bei gleicher Kalorienmenge erreicht werden kann. Fertiggerichte, die aufgebacken werden müssen, enthalten manchmal auch deshalb Laktose, weil der Bräunungsprozess durch sie unterstützt wird.

Achtung bei Fertiggerichten:  Erst ab einer Menge von mehr als 2% muss die Laktose in der Zutatenauflistung angegeben werden! Bei Backwaren und Wurst den Hersteller befragen!

Nur wenn das Fertigprodukt (Brot, Wurst etc.) als laktosefrei deklariert ist, können Sie davon ausgehen, dass es tatsächlich keine Laktose enthält.

Stillende Mütter befolgen am besten den Rat ihrer Hebammen und Ärzte, um Blähungen ihres Babys zu vermeiden.

Bei laktosefreier  Milch bzw. laktosefreien Milchprodukten wird der Milch das Enzym Laktase beigemischt.  Damit wird die Laktose in die Einfachzucker Glukose und Galaktose aufgespalten. Von einem  Rest-Laktosegehalt von 0,1g pro 100 ml Lebensmittel ist jedoch in der Regel auszugehen. Beachten Sie die Herstellerhinweise.

Bei Käse gilt, dass der Laktosegehalt mit zunehmender Reife abnimmt, Käsesorten  unter 0,1 g/100g Käse sind z.B. Hartkäse wie Emmentaler, Bergkäse, Tilsiter, Appenzeller, Parmesan usw.,  Weichkäse wie Brie und Camembert, Romadur oder Mozzarella.

8.       Diät bei Laktoseintoleranz

Der Durchschnittsbürger, der sich aus Mischkost ernährt, nimmt im Schnitt 20 – 30 g Laktose pro Tag zu sich. Bei einer festgestellten Laktoseunverträglichkeit wird folgendes Vorgehen empfohlen:

4-6 Wochen laktosefreie Ernährung, d.h. maximal 1 g Laktose pro Tag. In dieser Zeit keine Fertignahrungsmittel verzehren, auf Milchprodukte komplett verzichten

Da die Intoleranz sehr unterschiedlich ausgeprägt ist und meist nicht feststeht, wieviel Laktase der Körper noch vorhält, empfiehlt sich, nach dieser Karenzzeit stufenweise laktosearme Produkte wieder einzuführen. Es muss individuell ausgetestet werden, wieviel  Laktose beschwerdefrei verzehrt werden kann. Genaue Selbstbeobachtung (Stuhlverhalten, Bauchgrummeln…)setzt dabei den Maßstab. Die meisten vertragen nach 1 - 2 Monaten wieder maximal 8 – 10 g Laktose pro Tag. Sauermilchprodukten sollte der Vorzug gegeben werden, da die darin enthaltenen Milchsäurebakterien den Abbau der Laktose im Darm unterstützen. Als Milchersatz empfehlen sich Mandelmilch, Reis- und Hafermilch,  auch Sojamilch.

Literatur:

Genussvoll leben trotz  Nahrungsmittel-Intoleranzen. Univ.-Doz.Dr.med.Maximilian Ledochowski, Wilhelm Goldmann erlag, München, 2013

 

 

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Diesen Artikel haben wir am Mittwoch, 04. Mai 2011 in unseren Katalog aufgenommen.

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